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Vergesellschaftung von Kaninchen


In der freien Wildbahn leben Kaninchen in größeren Gruppen zusammen. Auch in der Haustierhaltung sind größere Gruppen möglich und können sehr gut harmonieren. Hier kommt es nicht zwingend auf die Geschlechter der Tiere, sondern vielmehr auf deren Charaktere an. Bei einer Vergesellschaftung kann so ziemlich alles passieren, und viele Kaninchenhalter haben deshalb großen Respekt oder sogar Angst vor einer Zusammenführung von zwei oder mehreren Kaninchen.
Grundsätzlich gilt, dass alle Vergesellschaftungen verschieden. Deshalb gibt es keine Methode, die für jedes Kaninchen die beste ist. Für den Normalfall empfehlen wir eine Zusammenführung einander fremder Kaninchen in einem neutralen Bereich ohne Unterbrechungen, wie wir im Folgenden erläutern. Dies ist in den meisten Fällen erfolgreich. Andere Methoden, wie eine Gitter-an-Gitter-Vergesellschaftung oder stundenweises Zusammensetzen können für den Einzelfall besser geeignet sein. Wird ein solcher Einzelfall vermutet, empfehlen wir aber unbedingt Beratung und Begleitung durch einen Experten.

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Vor der Vergesellschaftung:



  • Die Kaninchen sollten sich mindestens 14 Tage weder gesehen noch gerochen haben. Geruchs- und insbesondere Sichtkontakt vorab kann zusätzliche Aggressionen schüren.
  • Wenn ein neues Tier dazu kommt, empfiehlt sich eine Quarantäne von 14 Tagen vor der Zusammenführung einzuhalten. In dieser Zeit sollte eine Kotuntersuchung durchgeführt werden, um einen Parasitenbefall auszuschließen. Auch sollte in dieser Zeit beobachtet werden, ob das Kaninchen andere Krankheitsanzeichen zeigt. Idealerweise sollte es einem kaninchenerfahrenen Tierarzt vorgestellt werden. Wenn das neue Kaninchen gesund ist, steht einer Vergesellschaftung nichts mehr im Wege.
  • Männchen sollten für Vergesellschaftungen immer kastriert sein, um Nachwuchs oder schwere Kämpfe zwischen unkastrierten Männchen zu vermeiden. Nach der Kastration muss zwingend eine Kastrationsquarantäne von 6 Wochen eingehalten werden, da das Männchen in dieser Zeit noch zeugungsfähig ist. Ist das Weibchen ebenfalls kastriert oder sollen ausschließlich kastrierte Männchen vergesellschaftet werden, kann man die Zeit bis zur Vergesellschaftung auf 2-4 Wochen verkürzen. Dies sollte abhängig gemacht werden von der Heilung der Narbe und von der Änderung des Verhaltens durch Abbau der Hormone im Körper.
    Bei männlichen Jungtieren ist es auch möglich, sie zwischen der 9. - 11. Lebenswoche frühkastrieren zu lassen. Eine Kastrationsquarantäne muss dann nicht eingehalten werden, da die Zeugungsfähigkeit noch nicht eingetreten ist. Mit erwachsenen Tieren sollten Jungtiere jedoch nicht vor der 16. Lebenswoche vergesellschaftet werden. Ihre Haut ist noch zu dünn, sodass es zu schlimmen Verletzungen kommen kann. Einen „Welpenschutz“ gibt es beim Kaninchen nicht.


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Die Vorbereitung:



Für die Vergesellschaftung sollten bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Je mehr Kaninchen zusammengeführt werden, um so "aufregender" kann die Vergesellschaftung werden. Es ist deshalb empfehlenswert, wenn man mindestens zu zweit ist. Anfänger können sich auch an erfahrene Halter wenden, die ihnen dann beruhigend zur Seite stehen. Eine Begleitung durch eine ruhige Person ist auch deshalb hilfreich, weil die Kaninchen Anspannung und Angst „ihres“ Menschen selbstverständlich wahrnehmen können. Außerdem sollte man sich einen Handschuh und/oder ein Handtuch bereitlegen, falls man in das Geschehen eingreifen muss. Ein besonders wichtiger Punkt für eine erfolgreiche Vergesellschaftung ist das richtige Umfeld.


Worauf sollte man achten?

  • Ein neutraler Raum/Platz muss gewählt werden, damit keines der Tiere Revieransprüche stellen kann. Dies bedeutet, ein Raum und/oder ein Gehege, in dem noch keines der Tiere zuvor gewesen ist. Sollte kein neutraler Raum vorhanden sind, sollte das vorhandene Kaninchen für 2 Wochen aus gewohnte Gehege/Zimmer ausquartiert werden. In der Zwischenzeit sollte gut gereinigt und neutralisiert werden (Gewohnte Einrichtung entfernen, Kartonhäuser aufstellen, Boden und Toilettenschalen mit Essigwasser wischen, Teppiche bei 90 Grad waschen).
  • Die Tiere brauchen ausreichend Platz (mindestens 2 qm pro Tier bei Innenhaltung, mindestens 3 qm pro Tier bei Außenhaltung). Der Platz sollte für die Vergesellschaftung aber auch nicht zu groß gewählt werden, damit die Tiere sich nicht zu arg aus dem Weg gehen können. Man kann aber beispielsweise mit 10qm für 2 Tiere starten und wenn nötig 1-2 Wochen später verkleinern. Bei Gruppen und/oder bekanntermaßen rauflustigen Kaninchen kann „viel zu viel“ Platz auch genau richtig sein.
  • Es sollten mehrere Versteckmöglichkeiten mit jeweils zwei Eingängen aufgestellt werden. Am Besten eignen sich hier Pappkartons, da sich die Kaninchen beim Rangeln so am wenigsten verletzen können und die Kartons „neutral“ riechen.
  • Häuschen mit nur einem Eingang oder ähnliche Versteckmöglichkeiten sollten entfernt werden, da sich diese für ein Kaninchen auf der Flucht zu einer bösen Falle entwickeln können.
  • Mehrere Toilettenschalen (trotzdem können auch stubenreine Kaninchen ihr „gutes Benehmen“ während der Vergesellschaftung vergessen, da mit Kot und Urin auch Reviere markiert werden)
  • mehrere Futterstellen mit Frischfutter und Heu einrichten und mehrere Wassernäpfe aufstellen. Fressen beruhigt und lenkt ab. Außerdem wird so vermieden, dass sich ein Tier aus Angst nicht zur Futterstelle traut oder ein anderes die einzige Futterstelle bewachen kann. Idealerweise wird vom Lieblingsfutter etwas mehr zur Verfügung gestellt, um zum Fressen zu animieren.
  • Beschäftigungsmöglichkeiten, wie Snackball, Knabberzweige etc. schaffen zusätzliche Ablenkung


Der Ablauf:



Eine Vergesellschaftung kann mehrere Stunden, mehrere Tagen oder sogar mehrere Wochen dauern. Das kommt ganz auf die Charaktere der Kaninchen an und wie schnell sie sich mit der Rangordnung einig werden. Zudem dauern Vergesellschaftungen einer Gruppe oftmals länger als bei Pärchen.
Eine Vergesellschaftung sollte man immer so planen, dass ausreichend Zeit ist, um die Kaninchen zu beobachten. Ein Wochenende, verlängertes Wochenende oder Urlaub sind da günstig. Auch sollte eine Vergesellschaftung möglichst zeitig starten, also frühmorgens/gegen Mittag. Um diese Zeit sind die Kaninchen eher ruhiger und träger, als gegen Spätnachmittag/Abend und man hat ausreichend Zeit, über den Tag zu beobachten.
Nach Beginn der Vergesellschaftung sollte nicht grundlos getrennt werden. Ein Trennen über Nacht ist ein Fehler, denn die Kaninchen machen am nächsten Tag nicht dort weiter, wo sie aufgehört haben. Durch die Trennung bauen sich Aggressionen auf, die Lage ist meist deutlich angespannter als am Vortag.




Bei einer Vergesellschaftung geht es oft heiß her, man sollte aber nicht eingreifen oder sogar trennen, wenn:

  • die Kaninchen sich jagen;
  • die Kaninchen sich in den Po zwicken;
  • die Kaninchen sich gegenseitig rammeln;
  • die Kaninchen klopfen;
  • die Kaninchen sich Fellbüschel ausreißen.


Um harmonisch mit einem oder mehreren Partnern zusammenleben zu können, müssen auch Rangkämpfe durchgestanden werden. Dieses Verhalten ist ganz natürlich und meist nur für uns Zweibeiner schlimm anzusehen.


Ein Eingreifen und ein eventueller Abbruch sind nur nötig, wenn:

  • …die Kaninchen sich ineinander verbeißen. Hier kann durch lautes Rufen oder in die Hände klatschen die Situation entschärft werden, ggf. ein Handtuch überwerfen, um die Kaninchen zu trennen. Danach ist eine Kontrolle auf Wunden notwendig (siehe nächster Punkt)
  • …ein Kaninchen blutende (Biss-)Wunden oder andere schlimmere Verletzungen hat. Kleinere (!) Bisswunden, kleinere (!) Risse in den Ohren sind normal und gehören dazu. Die Tiere sollten während der Vergesellschaftung täglich auf Verletzungen/Wunden untersucht werden. Größere Wunden, insbesondere wenn sie durch einen Tierarzt behandelt werden müssen, sind ein Grund für einen Abbruch.
  • ...ein Kaninchen das Fressen komplett einstellt - Hier sollte die VG abgebrochen und das Tier getrennt gesetzt werden, um zu sehen, ob es dann wieder frisst.


Das erfolgreiche Ende:



Die Vergesellschaftung ist abgeschlossen, wenn die Tiere gemeinsam fressen und sich gegenseitig putzen und miteinander kuscheln. Um die Bindung zu festigen, sollten die Kaninchen dann noch ein paar Tage im neutralen Vergesellschaftungs-Bereich verbleiben und erst dann in das gewohnte Gehege umziehen. Hier kann es unter Umständen noch einmal zu kleineren „Rangeleien“ kommen, die sich aber schnell wieder legen. Dies liegt an den Revieransprüchen der Alteingesessenen und kann durch gründliches Putzen (Neutralisieren mit Essigwasser) und Umstellen der Einrichtung in der Regel abgemildert werden.










Den Erfahrungsbericht von Nicole findet ihr hier: Vergesellschaftung von drei Kaninchen






Häufige Fehler der Zweibeiner – mit einem Augenzwinkern


  • Nervosität und Angst: Auch Kaninchen können Angst wittern! In Beratungen empfehlen wir oft scherzhaft eine Tafel Schokolade und einen Schnaps oder ein Glas Wein für das Zweibein. Tatsächlich ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die Kaninchen nicht noch zusätzlich „verrückt“ zu machen. Eine liebe Freundin und ein Zweibeiner mit Vergesellschaftungs-Erfahrung ist oft der beste Begleiter. Auch hilft es, wenn man nervös ist, den Raum zu verlassen, während die entspanntere Person guckt.
  • Ungeduld: „Jetzt muss es doch langsam mal ausgestanden sein!“ denkt man oft. Auch hier sollte aber Ruhe bewahrt werden. Zu frühes Umsiedeln in das eigentliche Gehege ist oft ein böser Fehler. Geduld, Geduld, Geduld sind die Zauberworte. Austausch mit anderen Kaninchenfreunden kann sehr hilfreich sein!
  • Menschliche Maßstäbe für das Verhalten: Kaninchen können sich keine hitzigen Wortgefechte liefern. Um die Rangordnung zu klären, muss es körperlich werden. Auch wenn man bei sich denkt, was für ein Biest Kaninchen xy doch gerade ist: Bitte reflektiert betrachten, dass es seinen Instinkten folgt und natürliches Verhalten zeigt. Bitte unbedingt mit allen Kaninchen genauso liebevoll umgehen wie immer und zum Beispiel auch allen die gleiche Menge Leckerlies zukommen lassen.




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